Energiereport- und Analysetool der Energieagentur Region Trier -
Kompakte Daten zur Energiebilanz von Kommunen

Titelbild mit Wind, Wasser, PV und Biomasse

Spätestens seit der Atomreaktorkatastrophe in Japan im Frühjahr 2011 und dem daraufhin beschlossenen schnelleren Ausstieg aus der Kernenergie stehen die bestehende und künftige Energienutzung und -versorgung im Mittelpunkt vieler Diskussionen. Dabei besteht kein Zweifel daran, dass eine sichere und nachhaltige Energieversorgung eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit ist.

Während die Ressourcen im Bereich der fossilen Energieträger sich zunehmend verknappen, wächst die Nachfrage nach Energie weltweit und insbesondere in asiatischen Schwellenländern weiter. Gleichzeitig birgt die Erschließung entlegenerer Quellen von Kohle, Gas- und Ölvorkommen hohe Kosten und zum Teil unkalkulierbare ökologische Risiken. Diese Prämissen führen zu steigenden Energiepreisen, was sich insbesondere am rasanten Anstieg des Ölpreises in den letzten zehn Jahren zeigt, und eine Wende in dieser Entwicklung ist nicht zu erwarten.

Neben dem Kostenargument sind auch die negativen Umwelteffekte der fossilen Energienutzung mit ihrem hohen Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen ein Argument für eine effizientere Energienutzung und für den Ausbau der erneuerbaren Energiegewinnung. Der Ausstieg aus der Atomenergie und die weiter geltenden Ziele zur Reduktion der CO2-Emissionen fordern Lösungen jenseits der Nutzung von Kohle und Öl.

Angesichts des drohenden Klimawandels, der hohen Preissteigerungen im Energiesektor und der Begrenztheit fossiler Energieträger ist allen klar: wir müssen Energie effizienter einsetzen und das möglichst emissionsfrei. Doch fehlt es oftmals an konkreten Daten, wie viel Energie wir eigentlich wofür verbrauchen und wie viel wir andererseits heute schon mit Wind, Sonne und Biomasse "grün" erzeugen. Wir - das sind z.B. die Privatleute, Unternehmer und öffentlichen Verwaltungen in Städten, Gemeinden und Landkreisen. Ob Strom für eine immer größer werdende Zahl elektrischer Geräte; Öl, Gas oder Biomasse zur Beheizung unserer Häuser oder Kraftstoff im Verkehr: wir nutzen in allen Lebensbereichen Energie aus verschiedenen Quellen, die die Umwelt unterschiedlich stark belasten.

Das Land Rheinland-Pfalz hat sich insofern ehrgeizige Ziele gesetzt, was die Minderung der Emission von Treibhausgasen und den Ausbau der Erneuerbaren Energien angeht. Bis 2030 soll der gesamte Strombedarf im Land über regenerative Energien abgedeckt und darüber hinaus sogar noch Elektrizität exportiert werden.

Um diese Ziele zu erreichen, sind zwei Punkte entscheidend: einerseits muss der Energieverbrauch durch Bemühung um Energieeffizienz und mit deutlichen Einsparungen grundsätzlich gesenkt werden. Andererseits müssen die regenerativen Energien und die bestehende Netzkapazitäten im Übertragungsnetz weiter ausgebaut werden.

Das Hauptaugenmerk in der Diskussion um Energieeffizienz und erneuerbare Energie liegt oftmals auf dem Stromsektor. Doch spielt insbesondere die Wärmebereitstellung für Gebäude eine tragende Rolle, was die CO2-Emissionen und die Abhängigkeit von Energieimporten aus politisch häufig instabilen Regionen betrifft. Insofern ist ein Ausbau der Wärmegewinnung aus erneuerbaren Quellen eine wesentliche Voraussetzung für die Erreichung von Klimazielen. Doch wie können wir auf all diese Entwicklung reagieren, wenn wir keinen Überblick über den Status Quo und zu erwartende Trends haben? ERAT- das Energiereport- und Analysetool der Energieagentur Region Trier setzt an dieser Stelle an und schafft die Möglichkeit, einen standardisierten und übersichtlichen Blick auf die Energiebilanz einzelner (Verbands-)gemeinden zu werfen. Dabei werden nicht nur die Verbräuche von Strom und Wärmeenergie nach einzelnen Nutzergruppen abgebildet, sondern auch die Nutzung erneuerbarer Energien. Viele bestehende Instrumente zur Erfassung solcher energiebezogener Statistiken beschränken sich bisher auf den Stromsektor. Die Wärmeenergie, die für einen Großteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, wird vielfach außer Acht gelassen, weil die Erfassung der Ölverbräuche und der Nutzung regenerativer Wärmequellen aufgrund der lückenhaften Datenlage oftmals schwierig ist. Diesem Problem setzt das ERAT einen eigenen Ansatz entgegen: Mit der Erfassung von geförderten regenerativen Heizsystemen, der Erfassung des genutzten Wärmepumpenstroms und der Darstellung der Heizanlagenstruktur im Neubau werden Entwicklungen im Wärmesektor ablesbar.

Darüber hinaus beschränkt sich das ERAT nicht nur auf rein quantitative Daten, sondern bildet auch qualitative Indikatoren ab. Dadurch wird es möglich, auch die Bemühungen jener Gemeinden, die nicht über naturräumlich günstigen Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energien haben, mit in die Analyse einfließen zu lassen. So berücksichtigt die Auswertung zum Beispiel, ob die Verwaltung über energietechnische Leitlinien und ein regelmäßiges Energiecontrolling verfügt oder ob kostenlose Energieerstberatung angeboten wird.

Mit diesem doppelten Ansatz gelingt es, ein ganzheitliches Bild von der energietechnischen Situation der Kommunen zu zeichnen und besondere Entwicklungen hervorzuheben. Durch die Energiesteckbriefe, die von ERAT erstellt werden können, wird eine einheitliche Basis für Vergleiche zwischen einzelnen Gemeinden geschaffen. Die trägt zur allgemeinen Transparenz bei und zeigt sowohl positive Entwicklungen wie auch Schwachstellen in den Gemeinden an.

Die erste Version des Energiereport- und Analysetools wurde für die Verbandsgemeinden und Städte der Region Trier entwickelt. Der Ansatz ist jedoch auch auf andere Regionen in Rheinland-Pfalz und grundsätzlich auch auf bundesweite Ebene übertragbar. Die Daten, die der Analyse zu Grunde liegen, könnten prinzipiell für jede Kommune erfasst werden. In einem ersten Auswertungsschritt werden die Ergebnisse für die Region Trier in einem so genannten Energiebericht zusammengefasst. Der Energiebericht bietet neben dem im Jahr 2010 veröffentlichten Energieplan, der die Analyse auf gesamtregionaler Ebene angestellt hat, eine detaillierte Datenbasis und Arbeitsgrundlage für Entscheidungsträger.